

„Die 30. bis 50.000 Jahre alte Kultur der Aborigines ist wahrscheinlich die älteste der Welt, und die australischen Aborigines führen sie noch heute durch ihre Kunstformen fort.“
Richard Kelton Fondation Kelton fort, Los Angeles.
„Unsere Träume sind für uns, für unsere Leben wirklich wichtig, auch, um unsere Familien die Traditionen des Lebens zu lehren, um die Träume des Vaters, der Mutter und der Großmutter zu kennen.“
Jeanie Nungarrayl Egan Yuendumu
Die Malerei der Aborigines unter dem einzigen ethnozentrischen Aspekt der Neugierde eines Reisenden zu betrachten, reicht nicht aus. Sicherlich ist die Kenntnis des australischen „Traumes“, ein bevorzugtes Mittel einer Kultur und einer Wissenschaft über das besondere Leben in der Wüste, notwendig, aber darüber hinaus wird es in das bildhafte Originalphänomen mit seinem Reichtum, seiner Vielfalt und seinen Schaffungsbedingungen berufen.
Von der traditionellen Darstellungsweise, im Wüstensand Pigmente abzulegen, ihrer Geschichte und ihrer Territorien, sind die Aboriginal zu einer dauerhaften Schaffung zum Acryl auf Tuch übergegangen.
Die Änderung von Trägern und Pigmenten hat in der Beachtung des heiligen Charakters der Inspiration Werke hervorgebracht, die die Welt seit den siebziger Jahren mit Erstaunen und Begeisterung entdeckt.
Vertikal angebracht an dem Ehrenplatz der CLEMENT Gallerie, laden die Vorstellungen „des australischen Traumes“ zu ästhetischen Überlegungen ein, die das unmittelbare Interesse für Abstraktionen durch Punktierung und Gesten erneuern. Wir denken dabei an die Schaffensbedingungen. Sogar auf dem Boden unter einem verehrten Baum oder in grossen Säälen, greifen die Aborigines zum Pinsel, der vertikal wie in der chinesischen Malerei gehalten wird. Gewundene Flugbahnen, ohne Vorskizze, eingeführte geschlossene Formen weben Netze oder umfassen sich durch eine Vielzahl von Farbpunkten. Bestimmte Malereien werden nur durch Punkte variierender Nuancen und der Intensität strukturiert, die zuletzt die Ansicht eines floralen Wandteppichs oder Sternenkonstellationen des Himmels preisgeben.Und der Europäer, der daran gewöhnt worden ist, die Malerei durch Referenzen in der Kunstgeschichte zu analysieren, wird von „abstrakter Punktierung“ sprechen. Aber, was sind wir doch so weit von Seurat oder Signac entfernt!
Aus der Entfernung heraus bilden die Punktzusammensetzungen Volumen, Tiefe, sogar geheime Spuren und nicht wahrnehmbahre Verdampfungen aus. Die Wüste ist durch die Urbewohner vertreten, sie ist ein Territorium, in dem jedes Blühen, jedes Geländerelief, jedes unsichtbare Wasserloch von lebenswichtigem Sinnesinhalt ist. Tierspuren, Sträucher, Heilpflanzen und Wasser haben eine praktische und heilige Bedeutung. Befinden wir uns also innerhalb einer Topographie, die « vom Himmel aus gesehen » wird, wie der Vergleich mit Ansichten aus der Vogelperspektive auf niedriger Höhe es vermutet?
Umsomehr führt der Hinweis auf eine konkret verstandene Wirklichkeit in eine Sackgasse. Denn die Symbolik der Malerei der Aborigines findet in unserer ästhetischen, so sehr geographischen Sprache keinen Widerhall, ebensowenig wie die Malerei, die rhythmisierte, konzentrische oder lineare Sonnenkreisformen darstellt.
„Diese Künstler haben eine peripherische Vorstellung der Welt. Die traditionellen Gründe sind weder hoch noch niedrig, müssen gesehen und auf dem selben Boden begriffen werden.“ Geoffrey Bardon
Es geht darum, den Blick von aller Ideeeingebung ethnozentrischer oder realistischer Stilistik zu befreien. Wir sind in Anwesenheit einer « ganz anderen » Art von Kunst, deren eigentliche Qualität sich als eine künstlerische Originalbewegung versteht, die uns in ihrer ganzen Reinheit durch die Inspiration echter Schöpfer erreicht.
Man wird von der Freiheit und dem Reichtum der Bilder der Künstler gefangengehalten, die als Referenz nur ihre eigene Geschichte, ihr Territorium und ihr intuitives Wissen der Geheimnisse und der Mittel der Wüste haben.
Wenn es sich am Anfang und noch heute für den Maler darum handelte, das Gedächtnis seiner Gemeinschaft fortzuführen, und die Beziehungen aufrecht zu erhalten, die sie mit der Natur unterhält, so sind die Malereien für den westlichen Besucher ein Geheimnis, wobei der Begriff der Schönheit unzulänglich oder zumindest ungenügend scheint.
Die Überfülle an Gründen und Farben, die viel zu schnell die Ansicht bewirkt, es seien naiv dargestellte Landschaften und Tiere zu erkennen, werden mit Erstaunen und Stille aufgenommen.
Unsere Betrachtung gibt uns ein Gefühl ein, das der Erfahrung eines indischen Mandala ähnelt, Navajos- oder Hopismalereien. Eine Distanz und eine Verzauberung des Auges, die sich im Geheimen verlieren .
Mireille Callu (april 2007)